WSPR – Weak Signal Propagation Reporter

Immer wieder hört man nahezu religiöse Aussagen zu Antennen, QRP und den Erfolgen, die manch einer mit einer bestimmten Station erkämpft hat. Theorie zu Antennen und Amateurfunktechnik gibt es eine Menge. Bücher wie der “Rothammel” und Simulationsprogramme wie “4NEC2”, ermöglichen neben dem Taschenrechner und einfachen Formeln einiges an Berechnungen und Vorhersagen bzw. Erklärungen. Ich selbst bin aber nicht umsonst EXPERIMENTAL-Physiker und kein Theoretiker. Ich habe nichts gegen Theorie, ganz im Gegenteil, aber ich will im Experiment, in der überprüfbaren Realität Ergebnisse sehen.

Nun, das trivialexperiment ist: Funken. Wer seine Antenne benutzt, sieht auf kurz oder lang, wie gut sie spielt, wie viel Leistung es braucht und lernt die Eigenheiten des eigenen SetUps kennen. Hier gilt ein bisschen “Der Weg ist das Ziel”, denn es kann dauern, bis man mal eine DC-Station findet und von der auch noch gehört wird. Zuletzt reißt ja in unserer Welt der “Schätzeisen” und allgemeiner Hektik das allgemeine “599” als Raport ein. Immer wieder bekomme ich sogar in SSB drei Zahlen. Entweder hat keiner Lust auf das S-Meter zu schielen wenn die Gegenstation spricht, oder man traut sich im Namen übertriebener Höflichkeit nicht mehr, etwas “schlechteres” als Radio 5 Signalstärke 9 zu vermelden.

Für die Ungeduldigen und die, die es genau wissen wollen gibt es WSPR. Der Weak Signal Propagation Reporter ermöglicht es ein gegebenes SetUp dem realen Test zu unterziehen: Wer empfängt mich wo und wie stark? Und dieser Test geht auch noch ziehmlich zügig, was besonders portablen Operationen entgegen kommt.

Und wie geht das jetzt? Ähnlich wie bei APRS, schnürt der Computer ein kleines Paket mit Informationen zur eigenen Station und schickt das auf einer bestimmten Frequenz mittels 4FSK (SSB-basiertes FSK mit 4 Frequenzen) in die Welt. Enthalten sind hierbei nur:

  • das eigene Rufzeichen
  • den Amateurfunklocator
  • die Sendeleistung der eigenen Station in dBm

Eine empfangende Station kann so nun schon einiges über die eigene Antenne lernen. Will sie den sendenden Stationen helfen, meldet sie nun diese Informationen an einen Internetserver und hängt dabei noch ein paar interessante Daten an:

  • das Rufzeichen der empfangenden Station
  • den Locator der empfangenden Station
  • die Signalstärke des empfangenen Signals
  • den Drift des Signals (also wie Frequenzstabil ist das Signal)

Wer jetzt also im Internet nachsieht, was mit den eigenen Signalen passiert ist, weiß genau wo er angekommen ist, wie stark und wie frequenzstabil. Eine schöne Darstellung auf einer Karte und eine gut gemachte Internetseite WSPRnet.org, machen die Auswertung sehr angenehm und sehr anschaulich. Genug Theorie.

WSPRBeacon APP auf Android

Wer mitspielen will braucht entweder das Computerprogramm WSPR oder die AndroidApp WSPRBeacon, ein Funkgerät und ein passendes Interface. Details zu Interface und DigiModes gibt es in unserem Übersichtsartikel. Hat man nun alle Geräte zur Hand, kann man loslegen. Mit der AndroidApp kann man lediglich WSPR-Daten senden, aber nicht empfangen. Also fangen wir damit an:

App installieren, starten und los? Nicht ganz, denn für WSPR ist das Timing entscheidend. Es ist wichtig, dass die intere Uhr des Androidsystems exakt läuft. Es gibt dafür manchmal Bordmittel oder Fremdapps. Wer hier wirklich Probleme wittert, dem hilft Google meißt sehr schnell. Ist man damit fertig, bleibt kaum noch etwas zu tun. Die App hat nur ein Fenster und das ist sehr übersichtlich.

Man kann hier das eigene Rufzeichen eintragen und die benutzte Sendeleistung aus einem DropDown Menü auswählen. Den Locator kann man per Hand eintippen oder über den eventuell vorhandenen GPS-Empfänger bestimmen lassen. Man wählt auf der rechten Seite das gewünschte Band und stellt den Transciever auf USB und die entsprechende Frequenz. Mit einem kleinen Regler kann man sich noch eine willkürliche Audiofrequenz aussuchen und entscheiden wie oft man auf Sendung gehen will. Ein einzelner Durchgang geht immer zwei volle Minuten (daher die synchronisierung der internen Uhr). Wenn man möchte kann man auch “dauerhaft” auf Sendung gehen (Regler auf Anschlag).

Ein kurzes Tippen auf “Start”, lässt die App auf den nächsten 2 Minuten Slot warten und dann mit der Sendung beginnen. Ist ein solcher Durchgang vorbei und eine Internetverbindung vorhanden, so kann man durch einen Druck auf “Reports” eine Liste der Stationen aufrufen, die Empfangsbestätigung für die eigenen Daten zurück gemeldet haben. Die Liste kann nach den eigenen Wünschen gefiltert, sortiert und digital mit anderen geteilt werden.

Ein großer “CLOSE” Button bring einen Zurück zum Hauptschirm. Vorsicht: Die Zurücktaste, die manche Androidgeräte haben, will gleich die ganze App schließen. Im Hauptfenster steht außerdem noch die Taste “MAP” zur verfügung, welche lediglich die wsprnet.org Seite mit der Kartendarstellung aufruft.

Wer kein Internet zur Hand hat, kann auch zu späteren Zeiten über wsprnet.org auf eventuelle Rapporte zurückgreifen. Ebenso können aber auch Empfangsstationen verspätet Raporte einsenden, hin und wieder nochmal nachgucken lohnt also manchmal. Liegt die betreffende Aussendung mehrere Tage zurück, muss auf das Archiv zurückgegriffen werden. Die entsprechenden Datein liegen nach Monaten Sortiert zum Download bereit, sind aber enorm groß. Hier bietet sich ein Texteditor mit Suchfunktion oder ein kurzer Script an. Wer ein solches “SuchScript” in Python haben möchte, kann es von mir bekommen.

WSPR Empfangen

Nun haben wir ganz oft von den Empfangsstationen geredet, aber auch erfahren, dass die AndroidApp dazu nicht in der Lage ist. Zum Empfangen von WSPR-Daten brauchen wir einen Computer und das WSPR Programm. Dieses ist ebenso relativ leicht zu bedienen. Auf Wunsch übernimmt das Programm zum Beispiel automatisch die Weiterleitung der Empfangenen Daten an die Internetserver. Wer hier konkrete Fragen zur Bedienung hat, und aus den vielen Online Tutorien und User Guides nicht schlau wird, möge sich nicht scheuen, unser Kontaktformular zu nutzen. Einmal eingestellt kann das WSPR Programm im Prinzip dauerhaft im Hintergrund laufen und so vielen anderen Funkamateuren eine ganz praktische Hilfe sein. Besonders wer gute Antennenmöglichkeiten am HeimatQTH hat, ist hier aufgerufen mit zu machen.

Ich selbst jage bei vielen meiner portablen Aktivitäten mindestens 2 Minuten lang einen WSPRBeacon über die AndroidApp und mein WolphiLink in den Äther. Sollte die App eines Tages um eine RX-Funktion erweitert werden, so gelobe ich feierlich, diese auch im großen Stil zu nutzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.